Kino
Baseballstar
13.02.2017

Denzel Washington und Viola Davis in «Fences»

Schon zwei Mal gewann Denzel Washington den Oscar. Dieses Jahr hat er für «Fences» erneut beste Chancen. Die Arbeit des 62-Jährigen ist aber nicht einmal die herausragende Leistung des zweistündigen Familiendramas.

New York (dpa) - Wer an der Seite von Denzel Washington in einem Film spielt, hat ein Problem: Der Mann ist einer der stärksten Schauspieler seiner Generation. Zwei Oscars, Dutzende andere Preise und viele Ehrungen für sein Lebenswerk hat der 62-Jährige bereits gewonnen.

Seine Präsenz und Bandbreite des Könnens sorgen aber oft auch dafür, dass er seine Filme deutlich dominiert. Zum Glück gibt es im Familiendrama «Fences» nun jedoch Viola Davis an seiner Seite.

Sie spielt Rose Maxson, die geduldige Ehefrau eines Mannes, der glaubt, dass ihm das Leben übel mitgespielt hat. Troy war einmal Baseballstar in der Schwarzen-Liga, doch für die weiße Profi-Liga hat es nie gereicht. Sie wurde erst dann auch für Farbige geöffnet, als es für ihn bereits zu spät war.

Im Pittsburgh der 1950er Jahre arbeitet er als Müllmann, statt des Baseballschlägers schwingt er große Reden. Maxson lamentiert über den Tod und das Trinken, er flirtet charmant mit seiner Frau und wirft seinen Söhnen Brutalitäten an den Kopf, weil er glaubt, dass sie nur dadurch zu echten Männern werden. «Es ist meine Pflicht, mich um dich zu kümmern», findet er. «Ich muss dich nicht mögen.» 

Es ist schade, dass in der deutschen Synchronisation der Singsang und die Dringlichkeit von Washingtons Slang verloren gehen. Dennoch wird auch so die Besonderheit der Ehe spürbar: Während der 18 Jahre ihrer Beziehung hat sich genug in die Gesichter von Rose und Troy eingegraben. Sie beide sind müde, aber eben auch extrem eingespielt. Davis und Washington bringen diese Vertrautheit überzeugend auf die Leinwand, weil sie ihre Rollen bereits vor sieben Jahren im zugrundeliegenden Theaterstück am New Yorker Broadway verkörperten.

Seine Uraufführung hatte der Stoff schon im Jahr 1986. Bereits ein Jahr später gab es erste Pläne für einen Film. Eddie Murphy hatte sich die Rechte dafür gesichert. Weil Autor August Wilson aber unbedingt einen Schwarzen auf dem Regiestuhl wollte, stockten diese Pläne. Nun übernahm schließlich Denzel Washington zum dritten Mal bei einem Film diese Aufgabe.

Als Regisseur hat sich Washington für eine sehr theatrale Verfilmung entschieden. Wer den Film schaut, wird sich später kaum an andere Schauplätze als das Haus und den Hinterhof der Maxsons erinnern. Dort erzählt Troy seine Geschichten, dort streitet er mit seinem Sohn und vor allem will er dort den titelgebenden Zaun bauen. Als sein sanftmütiger Freund Jim davon hört, runzelt er die Stirn. «Manche Menschen bauen Zäune, um Leute auszuschließen», sagt er. «Andere Menschen bauen Zäune, um Leute einzuschließen.»

Es ist nicht der einzige bedeutungsschwere Satz dieser Art. An manchen Stellen während der großzügigen 139 Minuten Laufzeit wird «Fences» von seiner politischen und gesellschaftlichen Agenda regelrecht zu Boden drückt. Es geht um Rassismus im Sport und im Job, Alkoholmissbrauch, Gewalt. Gesten und Dialogzeilen sind oft mit Metaphorik überladen, selbst Troys behinderter Bruder hat mit Gabriel einen maximal-deutlichen Namen verpasst bekommen.

Dass «Fences» am Ende trotzdem als starker Film im Gedächtnis bleibt, liegt daran, dass er eines erfolgreich beweist: Für ein überzeugendes Drama braucht es keinen großen Zauber, nur große Schauspieler. Am Besten solche, die es mit Denzel Washington aufnehmen können.

Fences

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