NRW

Anklage nach illegaler Beschäftigung in 17 Nagelstudios

Montag, 25. Mai 2020 - 13:41 Uhr

von dpa

Die Statue der Justitia steht mit einer Waage und einem Schwert in der Hand-. Foto: Arne Dedert/dpa/Symbolbild

Münster (dpa/lnw) - Wegen illegaler Beschäftigung von vietnamesischen Frauen in 17 Nagelstudios in Nordrhein-Westfalen hat die Staatsanwaltschaft Münster Anklage erhoben. Nach den Ermittlungen sollen sechs Tatverdächtige von 2014 bis November 2019 die Frauen in Studios im Münsterland, Ostwestfalen und im Rheinland eingesetzt haben. Die sechs Verdächtigen sitzen in Untersuchungshaft.

Die Beschäftigten hätten zum großen Teil ohne Sozial- und Krankenversicherungsschutz zehn Stunden pro Tag an sechs Tagen in der Woche und unter Videoüberwachung gearbeitet, teilte die Staatsanwaltschaft Münster am Montag mit. Weil die Frauen bei den Behörden und Sozialkassen nicht gemeldet waren, ist laut Anklage ein Schaden von 1,78 Millionen Euro entstanden.

Die Betreiber konnten so ihre Dienstleistungen konkurrenzlos günstig anbieten, auch wenn die bar ausgezahlten Monatslöhne mit im Schnitt 2600 Euro relativ hoch waren, heißt es in der Mitteilung.

Als Hauptverantwortliche haben die Ermittler einen 47-Jährigen mit deutschem und vietnamesischem Pass ohne festen Wohnsitz, seinen 54 Jahre alten Bruder aus Münster (ebenfalls beide Staatsangehörigkeiten) und die gemeinsame Nichte (37) ausgemacht. Das Trio soll die Arbeit in den Studios organisiert haben. Zwei weitere Angeschuldigte, ein 28-Jähriger aus Bergkamen und ein 40-Jähriger aus Paderborn (beides Vietnamesen) sollen Nagelstudios betrieben und Gewinnanteile abgetreten haben. Eine 31 Jahre alte Frau aus Rottweil in Baden-Württemberg soll Konten und Ausweispapiere zur Verfügung gestellt haben. Mit Hilfe der Vietnamesin wurden laut Anklage laufenden Kosten bezahlt und Räume und Unterkünfte angemietet.

Fünf der Angeschuldigten haben sich bislang nicht geäußert. Der Mann aus Bergkamen hatte Angaben zu dem Geschäftsmodell gemacht. Über die Zulassung der Anklage muss jetzt das Landgericht Münster entscheiden.