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NRW

Wurde ein Opfer zum Täter? Prozess im Missbrauchsfall Lügde

Donnerstag, 10. Oktober 2019 - 02:02 Uhr

von dpa

Aktenordner liegen vor Prozessbegin auf dem Tisch eines Anwaltes. Foto: Bernd Thissen/dpa-POOL/dpa

Paderborn/Detmold (dpa) - Im Missbrauchsfall Lügde sind die Haupttäter verurteilt. Aber die Ermittlungen laufen noch - und es gibt bereits eine weitere Anklage. In Paderborn muss sich ein Jugendlicher verantworten. Er soll vom Opfer zum Täter geworden sein.

Vor dem Landgericht Paderborn beginnt heute (10.00 Uhr) im Zusammenhang mit dem Missbrauchsfall Lügde ein weiterer Prozess. Angeklagt ist ein 16-Jähriger, dem die Staatsanwaltschaft sexuellen Missbrauch von drei Kindern vorwirft.

Der Jugendliche soll selbst über Jahre hinweg von einem der mittlerweile verurteilten Haupttäter im Fall Lügde missbraucht worden sein. Am ersten Prozesstag wird nur die Anklage verlesen. Wegen des Alters des Angeklagten findet die Verhandlung zu seinem Schutz unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Bis Ende Oktober hat das Gericht zwei weitere Prozesstage angesetzt.

Rund um den Missbrauchsfall auf einem Campingplatz bei Lügde (Nordrhein-Westfalen) hatte das Landgericht Detmold im August und September erste Urteile gesprochen. Die Haupttäter wurden wegen hundertfachen Kindesmissbrauchs zu Freiheitsstrafen von 13 und 12 Jahren sowie anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt.

Ein dritter Mann erhielt wegen Anstiftung und Beihilfe eine zweijährige Haftstrafe auf Bewährung. Das Verfahren gegen einen heute 23 Jahre alten Mann am Amtsgericht Detmold wurde eingestellt, weil er als 16-Jähriger auf dem Campingplatz Opfer und Täter zugleich war und nach Ansicht des Gerichts unter Druck gehandelt hatte.