Wirtschaft

Warnstreik: Worauf sich Fahrgäste einstellen müssen

Mittwoch, 6. Dezember 2023 - 19:42 Uhr

von dpa

Ab Donnerstagabend ruft die GDL 24 Stunden lang erneut zum Warnstreik auf. Foto: Bernd Thissen/dpa

Berlin (dpa) - Nachdem die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) die Tarifverhandlungen mit der Bahn vor fast zwei Wochen für gescheitert erklärt hat, kündigt sie nun den nächsten Warnstreik an. Ab Donnerstagabend, 22.00 Uhr, sollen auf der Schiene für 24 Stunden wieder weite Teile des Fern- und Regionalverkehrs stillstehen, wie die GDL am Abend mitteilte. Der Güterverkehr soll bereits am 18.00 Uhr am Donnerstagabend bestreikt werden.

Vom Warnstreik betroffen sind neben der Deutschen Bahn auch weitere Eisenbahnunternehmen, etwa der Transdev-Konzern (unter anderem Bayerische Oberlandbahn, NordWestBahn). Auch die Tarifverhandlungen mit Transdev bewertet die GDL als gescheitert.

Zählt man die Warnstreiks der konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) mit, ist es bereits das vierte Mal in diesem Jahr, dass Fahrgäste sich wegen eines Tarifkonflikts auf weitreichende Einschränkungen auf der Schiene einstellen müssen.

Der Warnstreik soll laut Gewerkschaftsaufruf erneut alle Verkehrsarten treffen. Sowohl im Fern-, im Regional- als auch im Güterverkehr ist mit erheblichen Behinderungen zu rechnen. „Wie beim letzten Streik wird die DB für den Fernverkehr einen Notfahrplan mit einem stark reduzierten Angebot an Fahrten anbieten“, teilte die Bahn am Abend mit. Die Bahn setze dafür längere Züge mit mehr Sitzplätzen ein - eine Mitfahrt könne aber nicht garantiert werden, hieß es. Während des vorherigen GDL-Warnstreiks fuhr etwa jeder fünfte eigentlich vorgesehene Fernverkehrszug.

„Im Regionalverkehr ist es das Ziel, ein stark reduziertes Angebot zu fahren. In welchem Umfang dies möglich ist, unterscheidet sich regional stark“, teilte die DB mit.

Die GDL vertritt bei der Bahn hauptsächlich Lokführer und das Zugpersonal. Fahrdienstleiter, die den Zugverkehr bundesweit koordinieren, sind zwar ebenfalls zum Warnstreik aufgerufen. Stark vertreten ist die GDL unter ihnen aber nicht. Überall dort, wo ein Lokführer trotz des Streiks zur Arbeit kommt, kann deshalb theoretisch auch ein Zug fahren.

Der Warnstreikaufruf gilt bundesweit. Erfahrungsgemäß sind insbesondere in den ostdeutschen Bundesländern sowie im Südwesten viele Beschäftigte bei der GDL organisiert. Dort dürfte daher im Regionalverkehr vielerorts nichts mehr gehen. „In jedem Fall wird es auch im Regionalverkehr massive Einschränkungen geben. Dies gilt besonders für Bayern, wo die Aufräumarbeiten nach den historischen Schneefällen vom Wochenende noch anhalten“, teilte die Bahn mit.

Offizieller Beginn des Warnstreiks im Personenverkehr ist an diesem Donnerstag um 22.00 Uhr. Fahrgäste müssen sich unter Umständen aber bereits in den Stunden davor auf Zugausfälle einstellen. Die Bahn hat bei den vorherigen Warnstreiks so versucht, die Züge dort abzustellen, wo sie nach dem Warnstreik gebraucht werden. Der Arbeitskampf soll laut GDL bis Freitag, 22.00 Uhr, dauern.

Ob ein Fern- oder Regionalzug fährt oder nicht, lässt sich in der Regel über die Bahn-App oder die Internetseite einsehen. Laut DB soll der Notfahrplan dort ab Donnerstagnachmittag hinterlegt sein. Für individuelle Auskünfte richtet die Bahn ab Donnerstagmorgen eine Streikhotline ein (08000 99 66 33).

Alle Fahrgäste, die ihre für den 7. oder 8. Dezember geplante Reise aufgrund des Streiks verschieben möchten, können ihr Ticket zu einem späteren Zeitpunkt nutzen. „Die Zugbindung ist aufgehoben. Die Fahrkarte gilt dabei für die Fahrt zum ursprünglichen Zielort auch mit einer geänderten Streckenführung“, hieß es.

Sitzplatzreservierungen können kostenfrei storniert werden. Zudem haben Fahrgäste im Rahmen einer Sonderkulanz auch die Möglichkeit, ihre Reise vorzuverlegen und bereits am Donnerstag vor Streikbeginn zu fahren.

Die Warnstreikankündigung kam fast zwei Wochen, nachdem die GDL die Tarifverhandlungen für gescheitert erklärt hat. In bis dahin zwei Verhandlungsrunden konnte vor allem die Kernforderung der Gewerkschaft nicht gelöst werden: Die Absenkung der Arbeitszeit für Schichtarbeiter von 38 auf 35 Stunden bei vollem Lohnausgleich. Auf diese Forderung war die Bahn auch in der zweiten Verhandlungsrunde nicht eingegangen.

Darüber hinaus fordert die Gewerkschaft unter anderem 555 Euro mehr pro Monat sowie eine Inflationsausgleichsprämie. Die Bahn hatte elf Prozent höhere Entgelte bei einer Laufzeit von 32 Monaten angeboten sowie ebenfalls die Inflationsausgleichsprämie. Eigentlich sollten beide Seiten an diesem Donnerstag wieder für Verhandlungen zusammen kommen. Nach der Warnstreikankündigung hat die Bahn die Gespräche abgesagt.

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