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Emsdetten

Kitas öffnen in drei Wochen

Tagtäglicher Kampf der Eltern: Offener Brief an NRW-Ministerpräsident Laschet

Donnerstag, 21. Mai 2020 - 06:00 Uhr

von Heidrun Riese und Jacqueline Beckschulte

Seit rund zwei Monaten müssen Kindergarten-Kinder zu Hause bleiben, die meisten jedenfalls. Aber ein Ende ist in Sicht – für alle. Das NRW-Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration hat am Mittwochnachmittag bekannt gegeben, dass ab dem 8. Juni alle Kids wieder in geringerem Umfang in die Kitas bzw. zur Tagespflege gehen können. Und nicht erst, wie geplant, ab September.

Soziale Umfeld ist weggebrochen

„Für die Kinder und Eltern ist das eine gute Nachricht! Auch die Einrichtungen freuen sich, jetzt endlich Klarheit zu haben und die Kinder wieder betreuen zu dürfen. Viele Erzieher und Erzieherinnen haben ‚ihre‘ Kinder sehr vermisst“, weiß Jugendamtsleiterin Petra Gittner. Die Notbetreuung entfällt mit der neuen Regelung.

Auch vielen Eltern dürfte ein Stein vom Herzen fallen – denn die gehen so langsam auf dem Zahnfleisch. In einem offenen Brief an NRW-Ministerpräsident Armin Laschet – unterschrieben von Eltern und verschiedenen Elternorganisationen, unter anderem vom Jugendamtselternbeirat (JAEB) der Stadt Emsdetten – machen sie ihre Ansprüche geltend und fordern auch Kreativität im Umgang mit der Pandemie-Situation ein.

„Es gibt viele Eltern, die tagtäglich kämpfen“, macht Astrid Wilp, Vorsitzende des Emsdettener JAEB, deutlich. Deshalb sei eine baldige Öffnung der Kitas unumgänglich – und das aus zwei Gründen, wie Wilp ausführt. Zum einen sei da der berufliche Aspekt: „Urlaub und Überstunden sind weg. Großeltern müssen einspringen oder die Kinder zu anderen Eltern gebracht werden. Das ist auch nicht Sinn der Sache.“ Auf der anderen Seite seien da die Bedürfnisse der Kinder: „Ihnen ist das soziale Umfeld weggebrochen. Kinder, die keine Geschwister haben, haben sonst niemanden zum Spielen“, betont die JAEB-Vorsitzende. Zwar wüssten viele Kinder, dass eine Ausnahmesituation herrscht. „Wegen des Corona-Monsters musst du zu Hause bleiben, so erkläre ich es meiner dreijährigen Tochter“, erzählt die Emsdettenerin, die trotzdem eine Erklärungsnot sieht. „Sie denkt, dass sie keine Freunde mehr hat und sagt: ‚Mama, ich bin so alleine.‘ Da blutet einem wirklich das Herz.“

Einzelfälle sollen geklärt werden

Nicht zu unterschätzen sei auch der pädagogische Hintergrund. Kinder würden voneinander lernen, aber auch Betreuung, Bildung und Förderung durch Fachkräfte seien wichtig. „Die pädagogischen Fortschritte, wie sie im Kindergarten gemacht werden, sind zu Hause nicht möglich“, weiß Wilp, die in diesem Zusammenhang eine gesteigerte Wertschätzung für die Arbeit der Erzieher seitens der Eltern feststellt. „Sie merken, was die Fachkräfte leisten.“

Ab dem 8. Juni können Kinder für zehn Wochenstunden weniger als gebucht wieder betreut werden – sprich 35, 25 und 15 Stunden pro Woche statt 45, 35 und 25. Der eingeschränkte Regelbetrieb soll bis zum 31. August laufen, teilt die Stadt Emsdetten mit.

Einrichtungen, die sich aufgrund räumlicher und personeller Kapazitäten in der Lage sehen, ein höheres Stundenangebot zu realisieren, können dies in Absprache mit den zuständigen Aufsichtsbehörden ermöglichen, heißt es aus dem Rathaus weiter. Andersherum können Kitas, die aufgrund der Personalsituation außer Stande sind, dieses Angebot zu erbringen, in Absprache mit dem örtlichen Jugendamt auch nach unten abweichen; dies sollte nur in Ausnahmefällen geschehen. „Ob und wie Kindertagesstätten die Angebote ausweiten können oder einschränken müssen, klären wir in der nächsten Woche mit allen Trägern und Einrichtungen individuell ab“, informiert Petra Gittner.

Alle Kontakte zwischen Kindern, Erziehern und Eltern müssen nachvollziehbar sein, die Hygienekonzepte eingehalten werden, betont die Stadt. Daher sind nur feste und räumlich voneinander getrennte Gruppen erlaubt. Offene Konzepte sind untersagt.