Neuenkirchen

Ukraine-Spenden: „Das ist der Wahnsinn!“

Enorme Resonanz auf Spendenaufruf von Christian Üffing

Dienstag, 1. März 2022 - 17:01 Uhr

von Jörg Homering

Foto: Jörg Homering

Am Mittwoch war im Saal der Gaststätte Thies schnell klar, dass der Platz kaum reichen würde. Wie im Taubenschlag wurden Kisten und Kleidersäcke hereingetragen.

Der Spendenaufruf von Christian Üffing für Flüchtlinge aus der Ukraine hat eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. Über soziale Netzwerke und unser Medienhaus hatte der in Polen lebende gebürtige Neuenkirchener zu Sachspenden aufgerufen. Die Resonanz hat sowohl Üffing als auch seine Helferinnen und Helfer in Neuenkirchen und Umgebung mehr als überrascht: „Eure Spendenbereitschaft ist der Wahnsinn!“, schreibt der 32-jährige Üffing auf seiner eigens eingerichteten Facebook-Seite „Spenden für die Ukraine“. Am Montagabend reichte der Platz in der Gaststätte „Thies 42“ kaum noch aus. In den anderen rund zehn Abgabestellen im Kreis Steinfurt sah es kaum anders aus.

Kartons, Koffer, Kleidersäcke

„Ich bin überwältigt von der riesengroßen Hilfsbereitschaft!“ Reinhard Berkemeyer, Vorsitzender des Schützenvereins Sutrum-Harum, fand kaum Worte angesichts der Flut von Kartons, Koffer und Kleidersäcken, die am Mittwoch auf das Gelände der Gaststätte Thies gefahren und ausgeladen wurden. Wie im Bienenschlag fuhren Autos auf den Hof, wurden Kisten und Säcke in den Saal getragen, schoben rund 20 Mitglieder des Schützenvereins Sutrum-Harum und andere freiwillige Helferinnen und Helfer Sackkarren und Servierwagen mit Spendenmaterial über den Hof. Kleidung und Decken, Taschenlampen und Kerzen, Lebensmittel und Hygieneartikel wurden im Saal schon einmal grob vorsortiert. „Da kann man schon stolz sein auf Neuenkirchen“, sagte Bürgermeister Willi Brüning, der auch ein paar Kartons Spenden vorbeibrachte.

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Spenden für die Ukraine

Dienstag, 1. März 2022
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Wie am Montag berichtet, wohnt Christian Üffing (AJG-Abi 2010) seit 2014 in Turek zwischen Posen und Warschau. In Polen sei die Hilfsbereitschaft für die ukrainischen Flüchtlinge riesengroß. Auch wenn Turek weit von der Grenze entfernt ist, würden dort viele Menschen Spenden und Wohnungen für die Flüchtlinge anbieten. Über seinen Bruder und als Mitglied des Schützenvereins Sutrum-Harum richtete Üffing seine Hilfsanfrage auch an die alte Heimat – mit durchschlagendem Erfolg.

Zentrallager bei „Sun Garden“

Am Montag war im Saal der Gaststätte Thies schnell klar, dass der Platz kaum reichen würde. Noch am Abend wurde das ehemalige Autohaus Brüning, Erlenstraße 1, als neues Zwischenlager klargemacht. Von nun an werden dort Spenden angenommen (siehe unten). Gegenüber, in den Hallen von „Sun Garden“ am Burgsteinfurter Damm, wird das Zentrallager für alle Sammelstellen im Umkreis Neuenkirchens eingerichtet. Dort werden auch die enormen Mengen an Spenden von den anderen Sammelstellen zusammengetragen (siehe verlinkte Artikel am Ende dieses Textes). Christian Üffing selbst hat als ehemaliger Mitarbeiter von „Sun Garden“ in Polen noch gute Kontakte zu der Firma. Die stellt für seine Hilfstransporte ihre Sattelschlepper zur Verfügung: Statt einer Leerfahrt zurück ins polnische Werk werden die Sun-Garden-Lkw nun mit Hilfsgütern aus Neuenkirchen beladen.

„Es ist erschreckend“

In Turek und im benachbarten Posen, wo Üffing arbeitet, sind bereits die ersten polnischen Lastwagen beladen worden und haben sich auf den Weg in ein Zentrallager gemacht. Üffing, der einen der Transporter fuhr, beschreibt die Eindrücke von Montag so: „Nachdem unsere Autos umgeladen waren, sind die beiden Sprinter vollbeladen nach Lwiw (in der Ukraine, Anm. d. Red.) gefahren, um die Ukrainer von dort aus weiter zu versorgen. An der Grenzstation Budomierz (Polen) selber ist eine gute Versorgungslage gegeben, die Menschen dort bekommen ausreichend Essen und Getränke. Es ist aber erschreckend: Eine der Mütter, die wir heute nach Turek gebracht haben, berichtete, dass ihre Eltern sie mit den Kindern möglichst nah an die Grenze gebracht hatten, danach waren sie sieben Stunden zu Fuß unterwegs. Wer dort aktuell versucht, mit dem Auto aus der Ukraine nach Polen zu kommen, muss bis zu 48 Stunden im Stau aushalten. Wenn man bedenkt, dass diese Familie für die Strecke aus der Region um Odessa (ca. 750 Kilometer in ihrem Fall bis zur Grenzstation) über 24 Stunden im Auto unterwegs waren, kommen wir bereits auf über 31 Stunden, nur um die Grenze zu überqueren. Unfassbar, wie tapfer das ukrainische Volk ist!“

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Viele Vereine und private Gruppen in Neuenkirchen haben mittlerweile Christian Üffings Aufruf geteilt. Bürgermeister Willi Brüning hat am Sonntag die Mitglieder des Schützenvereins Sutrum-Harum zu sich ins Rathaus eingeladen, um Tipps zu geben. „Wir haben durch die Hilfe für die Flutopfer im Ahrtal bereits Erfahrungen in der Organisation von Spendenhilfen“, sagte Brüning gegenüber unserem Medienhaus. Auch Petra Albers, die die Hilfe für die Flutopfer angestoßen hatte, war am Sonntag mit Rat und Tat dabei.

Spenden für Verbandsmaterial

Auch die Kirchengemeinde St. Anna macht mit. Pfarrer Markus Thoms telefonierte am Montag mit Christian Üffing um zu klären, welche Hilfe zurzeit am dringendsten benötigt wird. Die Katholische Kirchengemeinde ruft daher nun zu Spenden für Verbandsmaterial in Erste-Hilfe-Kissen oder -Kästen (wie im Pkw, auch abgelaufen, kein loses Material) auf. Diese können am Donnerstag, 3. März, von 15.30 bis 17 Uhr im Saal des Karl-Leisner-Hauses abgegeben werden – oder bis Donnerstag zu den Öffnungszeiten im Pfarrbüro St. Anna sowie am Mittwoch im Pfarrbüro St. Josef in St. Arnold. Auch die Caritas-Elisabeth-Konferenz wird sich mit Lebensmittelspenden an der Aktion beteiligen.

Aktuelle Informationen zur Spenden-Aktion, zu Annahmestellen usw. gibt es hier: www.spenden-fuer-ukraine.de

Kommentar von Redakteur Jörg Homering

Großartige Aktion, überwältigende Resonanz

Bei allem Schrecken, den Putins Krieg über die Welt bringt, bei aller Angst, die die Menschen auch in Deutschland verspüren, macht eines Hoffnung: Die weltweite Solidarität und Hilfsbereitschaft mit den Menschen in der Ukraine ist riesig. Das beweist nicht nur die Einigkeit innerhalb von UNO, NATO und EU, Putins Überfall zu verurteilen. Das zeigen auch die Fernsehbilder von Friedensdemonstrationen hunderttausender Menschen. Und das belegt die Hilfsbereitschaft einer jeder Stadt, eines jeden Dorfes, einer jeden Familie.

Dass Neuenkirchen helfen kann, hat das Dorf schon im vergangenen Sommer bewiesen, als sich Vereine, Gruppen und Einzelpersonen in einem großen Kraftakt zusammenschlossen, um den Flutopfern an der Ahr zu helfen. Transporte, Kollekten und viele Geld- und Sachspenden aus Neuenkirchen trugen dazu bei, die Not der Flutopfer zu mindern.

Und jetzt Putins Krieg in der Ukraine, der unendliches Leid über die Bevölkerung bringt. Hilf- und fassungslos sehen wir die Bilder und fragen uns: Was können wir nur tun? Christian Üffing gibt mit seinem handfesten Spendenaufruf die Antwort – und das ganze Dorf antwortet, jeder nach seinen Möglichkeiten. Eine großartige Aktion, eine überwältigende Resonanz. Ja, Herr Bürgermeister, Sie haben Recht: Da kann man stolz sein auf Neuenkirchen!