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Lokalsport Emsdetten

Klack – Klack – Klack – zum Titel

Die EV war bei den erfolgreichen Westfalenliga-„Heimspielen“ der Sportschützen

Mittwoch, 13. Dezember 2017 - 15:34 Uhr

von Ferdi Recker

Foto: Bernd Oberheim

Das Tabellenführer der Westfalenliga ließ auch in den beiden aktuellen „Heimspielen“ gegen Deiringsen und Münster gar nichts anbrennen (v.l.): Sharon Mekking, Marleen Borowski, Jolina Ottenjann, Christina Glohr, Angelika Elsbecker und Nicole Dieckmann sicherten sich durch zwei 4:1-Siege vorzeitig den Titel.

Das Westfalenliga-Team der Schießfreunde steht mit auf der Vorschlagsliste zur Wahl „Mannschaft des Jahres 2017“, bei den Einzelsportlern ist für die Wahl auch die 16-jährige Schützin Jolina Ottenjann nominiert, die Deutsche Jugend-Meisterin (591 von 600 möglichen Ringen) in Kleinkaliber-Liegend-Wettkampf.

Nachdem ich in jungen Jahren als Vorsitzender der Berger Schützen bei der Vereinsmeisterschaft mal beim ersten Versuch auf die Karte des Nachbarn geschossen hatte, rückte dieser Sport für mich in ganz weite Ferne. Denn ich kann es nicht begreifen, wie man mit einem Luftgewehr bei 40 Schuss in maximal einer Stunde so oft ins Zentrum treffen kann …

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Das Westfalenliga-Team der Schießfreunde Emsdetten

Am vergangenen Sonntag steht ein doppeltes Westfalenliga-Wettkampf der Schießfreunde in der Ems-Halle auf dem Programm. Ich will die Chance nutzen, um bei einer Tasse Kaffee nicht den eigentlichen Wettkampf, sondern das Drumherum mal genauer zu beleuchten.

Um 11 Uhr soll der Start sein, ich erreiche den Schießstand um 10.30. Draußen beseitigen gerade fleißige Feuerwehr-Leute und der Getränkelieferant die letzten Spuren des vorabendlichen Konzerts, auf dem Schießstand herrscht reges Treiben. Alle vier Mannschaften – Schießfreunde Emsdetten, SV Deiringsen, ABC Münster und SV Lennetal sind da, die Schützen bereiten sich vor.

Foto: Bernd Oberheim

Christina Glohr (l.) und Jolina Ottenjann präsentieren den Talisman, er hat dem Team wieder Glück gebracht.

Zunächst mal aus den Klamotten raus, ab in die zum Teil recht sperrig und steif wirkende Schützenkleidung. Es ist ein Unding, dass die Schießfreunde dafür keine Kabinen anbieten können, Männlein und Weiblein ziehen sich gemeinsam in einem Raum um. In anderen Sportarten undenkbar. Im Fußball wurden schon ganze Kabinentrakte geräumt, wenn auch nur eine Dame mit ihrer Sporttasche auf dem Parkplatz aus dem Auto stieg. Sportschützen – und vor allen Dingen -schützinnen – müssen mit anderen Gegebenheiten klarkommen.

Die Dettener Mannschaft hat sich – halt ein Heimvorteil – den Kleinkaliberstand gesichert. Der ist zwar auch bestens einsehbar, aber man ist unter sich. So kann ich auch nur im Blickwinkel verfolgen, wie Coach Günther Moß und der niederländische Mental-Trainer Jan de Bolster das Team auf den Wettkampf einstimmen. Auch auf Nachfrage werde ich nicht schlauer, „was im Kreis der Mannschaft besprochen wird, bleibt dort“, ist Moß konsequent. Alles klar.

Doch der so erfahrene Schießfreunde-Trainer sagt: „Ein Heimspiel ist immer schwerer, da ist der ansonsten schon enorme Druck noch größer.“ Doch der Coach selbst hatte in der EV den Druck doch entfacht, mit seiner Aussage: „Wenn unsere Schützen konzentriert arbeiten, sind sie in dieser Liga kaum zu schlagen.“

Aber Günther Moß steht zu seiner Aussage: „Diesen Druck müssen sie aushalten, der ist in der 2. Liga doch noch viel größer.“ Und den Aufstieg in die 2. Liga, den haben die Schießfreunde in diesem Jahr im Visier. Das Team geht heute als Tabellenführer an den Start. Gibt es die erhofften Siege gegen Deiringsen (in der Nähe von Soest) und Münster, dann steht die Meisterschaft in der Westfalenliga fest, die Aufstiegs-Relegation zur 2. Liga ist dann erreicht.

10.45 Uhr – Dieter Elsbecker als heutiger Wettkampfchef gibt den Stand frei, die Schützen haben jetzt 15 Minuten Zeit, sich dort einzurichten. Sie tragen die Gewehrständer auf den Stand, sammeln zunächst die dort auf sie wartenden Schoko-Nikoläuse ein, machen sich fertig. Einige drehen noch ein wenig am Gewehr herum, andere regulieren die Höhe der Halterung, wieder andere stehen ganz ruhig und konzentriert da – den Blick stur auf den Boden. Mentale Vorbereitung also. Jeder ein wenig anders, jeder auf seine Art.

Um 11 ruft Dieter Elsbecker: „Die Vorbereitungs-Zeit startet, allen Gut Schuss.“ Klack, Klack, Klack ist gleich zu hören, die 20 Sportschützen geben erste Probeschüsse ab. Justieren weiterhin ihr Gewehr ein wenig nach, nicken zufrieden oder schütteln leicht mit dem Kopf. Sie alle wissen: Der Count-Down läuft unaufhaltsam.

Foto: Bernd Oberheim

Jolina Ottenjann (vorne) in der letzten Konzentrationsphase, andere Schützen richten sich auf dem Stand ein.

So ist es: Um exakt 11.15 Uhr ruft Elsbecker: „Die Vorbereitungszeit ist beendet, bitte die Wertungskarten einlegen.“ Als Elsbecker das mit geschultem Blick auf allen Ständen kontrolliert hat, sagt er: „Der Wettkampf beginnt.“

Nun haben die 20 Schützen genau 60 Minuten Zeit, um ihre 40 Schuss Freihand abzugeben. Nach jedem Schuss wird das Gewehr abgelegt, das Ziel auf der Wertungskarte verschoben. Zehn Schuss passen auf eine Karte. Diese Karten werden direkt eingesammelt, im Nebenraum maschinell ausgewertet, das jeweilige Ergebnis auf dem Schießstand selbst und im Vorraum visuell dargestellt. So kann jeder Schütze zwischendurch einsehen, wie sich der Kampf für seine Mannschaft entwickelt.

Christina Glohr gibt richtig Gas, hat sehr flott die erste Wertungskarte „bearbeitet“ – satte 98 Ringe. Das ist doch bärenstark. Flott legt Christina in Runde zwei noch bessere 99 Ringe nach. Am Abend zuvor hätte in der Ems-Halle jetzt die Feuerwehr einen Tusch gespielt.

Flott auch die Deutsche Meisterin Jolina Ottenjann, die ebenfalls 98 Ringe in der ersten Runde in die Wertung schickt. Nicole Dieckmann kommt da mit ihren 95 Ringen nicht ganz mit, „sie hat den letzten der ersten zehn Schuss versemmelt“, klären mich die Trainer Günther Moß und Jan de Bolster auf.

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Jonina Ottenjann von den Schießfreunden

Apropos die Trainer: Sie laufen hinten den Glasscheiben auf und ab, sie kennen halt ihre „Pappenheimer“, sehen am Gesichtsausdruck der Aktiven nach jedem Schuss, wie es gelaufen hat. Gar nicht gut startet Sharon Mekking, mit „nur“ 95 Ringen. „Ich kann mich nicht erinnern, wann Sharon zum letzten Mal eine 95 geschossen hat“, sagt Günther Moß, bespricht sich im Vorraum mit Trainerkollege Jan de Bolster.

Dieter Elsbecker behauptet: „Das wird eng heute, es geht letztlich um einen Ring.“ Doch am Ende beider Wettkämpfe (die EV berichtete) stehen zwei klare 4:1-Sieg zu Buche. Das Team strahlt, die Trainer auch, ein großartiger Wettkampf-Tag endet.