NRW

Experte begrüßt Lockdown in Landkreisen

Mittwoch, 24. Juni 2020 - 12:42 Uhr

von dpa

Berlin (dpa) - Nach dem massiven Corona-Ausbruch in der Tönnies-Fleischfabrik begrüßt ein Experte den Lockdown in den Landkreisen Gütersloh und Warendorf. „Man muss kein großer Prophet sein, um zu sehen, dass es diese Maßnahmen braucht, um dem Virus wieder Einhalt zu gebieten“, sagte Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur.

Eine Parallele zum Corona-Ausbruch im Tiroler Wintersportort Ischgl Anfang März sieht der Epidemiologe jedoch nicht. „Im Unterschied dazu handelt es sich in Gütersloh um ein Geschehen in einem Großbetrieb“, erklärte Zeeb. Eine Häufung von Infektionen war demnach absehbar, wenn Leute am Arbeitsplatz wieder zusammenkommen.

Das Tönnies-Werk Rheda-Wiedenbrück im Kreis Gütersloh gilt als Ausgangspunkt des Ausbruchs, auch im Raum Warendorf wohnen viele Tönnies-Mitarbeiter. Mehr als 1500 Beschäftige sind nach Angaben des Kreises Gütersloh nachweislich infiziert.

Vor dem Start der Sommerferien in Nordrhein-Westfalen empfiehlt Zeeb den Menschen in den beiden Landkreisen, das weitere Geschehen abzuwarten und geplante Reisen um einige Tage zu verschieben. „Wir haben hier eine besondere Situation, und es wird nicht die letzte gewesen sein.“

Der Virologe Christian Drosten befürchtet angesichts der jüngsten Ausbrüche eine unbemerkte Ausbreitung des Coronavirus in der Bevölkerung. Die Verbreitung über die jeweilige Gegend hinaus zu verhindern, sei jetzt das Entscheidende, sagte der Charité-Wissenschaftler am Dienstag im NDR-Podcast.