Kommission berichtet über Corona-Krisenmanagement in Ischgl

Kommission berichtet über Corona-Krisenmanagement in Ischgl

Die Skigebiete rund um Ischgl sind bei Wintersportlern beliebt. Foto: Felix Hörhager/dpa

Innsbruck (dpa) - Tausende Urlauber sollen sich im österreichischen Ischgl mit dem Coronavirus infiziert haben. Eine Expertenkommission hat nun das Krisenmanagement unter die Lupe genommen. Sieben Monate nach dem umstrittenen Corona-Krisenmanagement im österreichischen Ischgl wird heute mit Spannung der Bericht einer unabhängigen Expertenkommission zu möglichen Fehlern erwartet.

Die Kommission hat für den Bericht insgesamt 53 Menschen befragt, darunter Betroffene, Vertreter der Seilbahn- und der Tourismuswirtschaft sowie Verantwortliche auf Bezirks-, Landes- und Bundesebene. Der 1600-Einwohner-Ort in Tirol gilt nicht zuletzt wegen der dortigen Feiern beim Après-Ski als einer der Hotspots bei der Verbreitung des Coronavirus in Teilen Europas. Auch viele deutsche Gäste steckten sich hier an.

Aus Sicht der Kritiker erfolgten die Maßnahmen wie die Schließung von Bars, des Skigebiets und schließlich die Quarantäne über das gesamte Paznauntal am 13. März zu spät. Jüngste Recherchen von ORF und dem Nachrichtenmagazin „Profil“ wiesen auf Indizien hin, dass Verantwortliche früher als bisher bekannt von der Gefahr wussten. Das Land Tirol hat diese Behauptungen stets vehement zurückgewiesen. Der Ischgler Bürgermeister Werner Kurz betonte in einem Interview mit der Zeitung „Kurier“ (Samstag), dass die Gemeinde „alles nach bestem Wissen und Gewissen umgesetzt“ habe, was die Behörden vorgegeben hätten.

In Ischgl war am 7. März ein Barkeeper im „Kitzloch“ positiv getestet worden. Am nächsten Tag wurde bekannt, dass 14 erkrankte Isländer im „Kitzloch“ zu Gast waren und sich drei weitere in Tirol positiv getestete Personen in Ischgl aufgehalten hatten. Die Bar wurde am 9. März behördlich gesperrt. Am Tag darauf wurden alle Après-Ski-Lokale im Ort geschlossen. Außerdem wurde das Ende der Skisaison verfügt. Am 13. März wurde das Tal, in dem sich etwa 8000 Urlauber aufhielten, unter Quarantäne gestellt. Noch bevor die Behörden die Abreise der ausländischen Touristen kontrollierten, verließen viele Gäste die betroffenen Ortschaften. Das Ausmaß der Verbreitung des Virus in Ischgl machte im Juni eine Studie der Medizinischen Universität Innsbruck klar. Danach hatten 42,2 Prozent der Ischgler Bevölkerung Antikörper, ein weltweiter Spitzenwert.

Bei einem Verbraucherschutzverein, der die Interessen der Geschädigten vertreten will, haben sich inzwischen mehr als 6000 Tirol-Urlauber aus 45 Staaten gemeldet. Tausende Corona-Infektionen in Europa sollen auf Menschen, die in Tirol Urlaub gemacht haben, zurückzuführen sein. Die Staatsanwaltschaft Innsbruck ermittelt zudem gegen vier Verdächtige wegen vorsätzlicher oder fahrlässiger Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten.

Die Experten-Kommission hatte nicht den Auftrag, strafrechtliche Ermittlungen vorzunehmen oder über Schadenersatzansprüche von Geschädigten zu entscheiden.