Topthemen

Mindestens 50 Tote bei Bergwerksunglück in Sibirien

Donnerstag, 25. November 2021 - 20:49 Uhr

von dpa

Rettungskräfte bereiten sich auf den Einsatz in dem Kohlebergwerk im Gebiet Kemerowo vor. Foto: Uncredited/Russian Ministry for Emergency Situations/AP/dpa

Kemerowo (dpa) - Wie es zur Explosion in 250 Metern Tiefe kam, ist unklar. Noch immer gibt es zu Dutzenden Eingeschlossenen keinen Kontakt - die Rettungsarbeiten pausieren wegen anhaltender Gefahr. Bei dem schwersten Grubenunglück in Russland seit Jahren sind im Westen Sibiriens 52 Menschen ums Leben gekommen. Das melden die Staatsagenturen Tass und Ria Nowosti übereinstimmend unter Berufung auf den Rettungsdienst.

Darunter seien sechs Rettungskräfte gewesen, die bei Sucharbeiten in dem Bergwerk starben. In der Grube seien noch immer 35 Menschen, zu denen der Kontakt fehle. Wegen Explosionsgefahr wurden die Rettungsarbeiten vorübergehend unterbrochen. Zudem brach nach Angaben des Zivilschutzministeriums der Kontakt zu mehreren Rettungskräften ab.

Insgesamt wurden 239 Arbeiter aus dem Schacht „Listwjaschnaja“ im Kusnezker Kohlebecken (Kusbass) gerettet; mehr als 49 von ihnen mussten in Krankenhäusern behandelt werden, wie der Gouverneur mitteilte. In dem Bergwerk hatte sich am Morgen aus zunächst unbekannter Ursache eine Explosion ereignet. Ziwiljow setzte eine dreitägige Trauer in der Region an - von diesem Freitag bis Sonntag.

Arbeiter können sich nicht selbst retten

Der Zustand der Bergarbeiter im Schacht ist noch unklar. Die Grubengänge seien stark mit Rauch gefüllt, hieß es. Die Arbeiter könnten sich nicht selbst retten. Das teilte Gouverneur Ziwiljow nach einer Videokonferenz mit dem russischen Zivilschutzminister Alexander Tschuprijan mit. Auch der Minister reiste in die Region.

Ziwiljow besuchte am Abend Verletzte im Krankenhaus und traf sich nach eigenen Angaben mit Familienangehörigen der Bergleute.

Die Explosion soll sich in 250 Metern Tiefe ereignet haben. Russlands Präsident Wladimir Putin drückte den Angehörigen der Opfer der „Tragödie“ sein Beileid aus und ordnete an, den Hinterbliebenen und Überlebenden zu helfen. „Die Lage wird leider nicht leichter. Es gibt auch eine Gefahr für das Leben der Rettungskräfte“, sagte Putin. „Wir hoffen, dass es gelingt, so viele Menschen wie möglich zu retten.“

Die Arbeit im Kohlebergbau in Russland gilt als lebensgefährlich. Wegen Verstößen gegen elementare Sicherheitsvorschriften kommt es dort immer wieder zu schweren Unglücken. Oft explodiert etwa Methangas. Das leicht entzündliche Grubengas wird durch die Arbeiten im Bergbau freigesetzt und sammelt sich bei schlechter Belüftung in den Schächten und Strecken an.