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Ausbildungsmesse

„Selten gab es so viele Lehrstellen wie zurzeit“

Mehr Ausbildungsstellen als Bewerber

Donnerstag, 16. Mai 2019 - 11:56 Uhr

von Newsdesk

Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Eine Auszubildende arbeitet in einem Hotel in der Küche eines Restaurants (Symbolfoto).

Die Lage könnte eigentlich kaum besser sein. „Es gibt mehr Ausbildungsstellen als Bewerber – das war früher genau andersherum. Selten gab es so viele Lehrstellen wie zurzeit“, sagt Otto Pompe, und er muss es wissen, denn er ist Berufsberater bei der Bundesagentur für Arbeit. Grund zur Freude, sollte man meinen, und tatsächlich gab es, was die Berufswahl aus Bewerber-Perspektive betrifft, wohl nie bessere Bedingungen. Im gesamten Bundesgebiet wurden im Jahr 2018 mehr als 565.000 Ausbildungsstellen angeboten, für die es 536.000 Bewerber gab. Gegenüber dem Vorjahr ging die Bewerberzahl dabei um 12.000 zurück, während etwa 20.000 Ausbildungsplätze mehr angeboten wurden.

Dann gibt es aber auch noch die Kehrseite der Medaille: Es waren wohl auch nie so viele offe¬ne Lehrstellen unbesetzt wie aktuell. Der Fachkräftemangel ist in aller Munde. Eine Ursache sieht Otto Pompe darin, dass unter Schülern der Glaube weit verbreitet ist, dass ein Studi¬um der Schlüssel zum beruflichen Erfolg ist. „In unseren Gesprächen stellen wir immer wieder fest, dass Jugendliche sehr viel Wert auf die Zukunftsfähigkeit ihres Berufes legen. Berichte über Industrie 4.0, Big Data oder die stetig wachsende Bedeutung des Internets verunsichern da, und viele stellen sich die Frage, ob die Ausbildung dann in Zukunft noch gefragt ist“, berichtet Pompe. Tatsächlich dürfe man aber nicht vergessen, dass eine Berufsausbildung heutzutage nur noch den Einstieg in das Berufsleben bedeutet. Arbeitsmarktfachleute sagen sogar voraus, so Pompe, dass Mitarbeiter in Zukunft durchschnittlich bis zu vier verschiedene Tätigkeiten in ihrem Leben ausüben werden.

„Die Schüler machen heute alle ihr Abitur und keiner denkt mehr an eine Ausbildung. Dabei gibt es auch tolle Aufbaustudiengänge, die man absolvieren kann, nachdem man eine Ausbildung gemacht hat“, weiß der Berufsberater. Als Beispiele nannte Pompe die Bereiche Technik, Holz und Umweltschutz. Auch die Möglichkeit, sich selbstständig zu machen oder die Nachfolgeschaft für einen Betrieb zu übernehmen, seien – dem demographischen Wandel geschuldet – noch nie so gut gewesen wie aktuell.

Wirft man einen Blick auf den Kreis Steinfurt, werden die meisten Ausbildungsplätze für Kaufleute im Einzelhandel angeboten. Bisher sind es 188 Ausbildungsstellen seit Herbst 2018. Auch andere kaufmännische Berufe bieten verhältnismäßig viele Stellen an: Industriekaufleute (135), Groß- und Außenhandel (92), Büromanagement (92), Verkäufer (74). Der Garten- und Landschaftsbau (128), sowie der Metallbau (77) bieten ebenfalls recht viele Stellen an. Zu den nachgefragtesten Berufen bei den Schülern zählen neben den kaufmännischen Berufen vor allem die KFZ-Mechatroniker (86), Tischler (82), Automobilkaufleute (62) und Fachinformatiker (51).

Besonders günstig sei zurzeit (Stand April 2019) das Angebot an Lehrstellen im Bereich Gartenbau (27 Bewerber für 142 Stellen), Drucktechnik (drei Bewerber für 14 Stellen), Tiefbau (keine Bewerber für elf Stellen), Sanitär- und Klimatechnik (24 Bewerber für 42 Stellen) und Medizin-, Orthopädie- und Rehatechnik (25 Bewerber für 54 Stellen). Mehr Bewerber als Stellen gibt es in hingegen in diesen Berufen: Tierpflege (15 Bewerber für eine Stelle), Holzbearbeitung (85 Bewerber für 42 Stellen), Maler (35 Bewerber für 17 Stellen), Softwareentwicklung (43 Bewerber für 19 Stellen), Immobilienkaufleute (27 Bewerber für fünf Stellen), Tourismus und Sport (44 Bewerber für zehn Stellen).