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Bundesliga

Titeldämpfer zur Unzeit: Spitzenreiter BVB gerät ins Wanken

Sonntag, 10. Februar 2019 - 11:50 Uhr

von Von Heinz Büse und Ulli Brünger, dpa

Der BVB hat eine 3:0-Führung gegen Hoffenheim verschenkt: Die Dortmunder Spieler gehen bedrückt vom Platz. Foto: Bernd Thissen

Dortmund (dpa) - Bei Borussia Dortmund kränkelt nicht nur Trainer Lucien Favre, sondern auch die Mannschaft. Nach zuletzt drei Spielen ohne Sieg wächst der Druck - zur Freude von Verfolger FC Bayern.

und damit zum dritten Mal binnen einer Woche eine Führung.

Von Warnsignalen, dass es dem Team im Titelkampf an Reife mangeln könnte, wollte Sebastian Kehl dennoch nichts wissen. „Wir waren im Erfolgsfall ruhig und werden das wieder hinkriegen. Jetzt schütteln wir uns und gehen am Mittwoch unseren Weg weiter“, sagte der Leiter der Lizenzspielerabteilung vor dem Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League bei Tottenham Hotspur.

Der nachfolgende Versprecher des einstigen BVB-Profis, „dass man sich die Niederlage selbst anzukreiden“ hätte, spiegelte den Frust beim Tabellenführer wider. Mit dem unnötigen Fauxpas wächst der Druck. Schließlich nutzte Verfolger FC Bayern wenigen Stunden später die Gunst der Stunde und verkürzte mit dem 3:1 über den FC Schalke den Rückstand auf den Spitzenreiter auf fünf Zähler. „Wenn man zu Hause 3:0 führt gegen so einen guten Gegner wie Hoffenheim und dann noch 3:3 spielt, ist es sehr bitter. Das sollte uns nicht passieren“, klagte Angreifer Mario Götze. Die Niederlage des Dritten aus Mönchengladbach gegen Hertha BSC (0:3) spendete nur bedingt Trost.

Zudem taugte das 3:3 sicher nicht als Mutmacher für die Partie am Mittwoch in London. Selbst die Treffer von Jadon Sancho (32.), Mario Götze (43.) und Raphael Guerreiro (67.) gaben keine Sicherheit. Innerhalb von nur 15 Minuten bescherten die Hoffenheimer Ishak Belfodil (75./87.) und Pavel Kaderábek (83.) der Borussia die nächste Enttäuschung nach dem Pokal-Aus gegen Bremen. „Es fühlt sich an wie eine Niederlage“, gestand Guerreiro, „wir müssen uns verbessern, müssen dranbleiben“.

Für die Borussia war es ein unliebsames Déjà-vu-Erlebnis. Am vergangenen Wochenende musste sie sich in Frankfurt nach einem 1:0 und vielen Chancen mit einem 1:1 begnügen. Beim Pokal-Aus am Dienstag gegen Bremen (2:4 i.E.) wurde selbst eine zweimalige Führung in der Verlängerung noch verspielt. Co-Trainer Edin Terzic, der den grippekranken BVB-Chefcoach Lucien Favre vertrat, weiß um diese Schwäche: „Es ist ärgerlich, dass man dreimal innerhalb von sieben Tage eine Führung aus der Hand gibt. Aber: Wir haben eine sehr junge Mannschaft, der wir Fehler zugestehen. Das wollen wir in Angriff nehmen, um stabiler zu sein.“

Auch alle Versuche seines Chefs Favre, den Titeldämpfer zur Unzeit mit telefonischen Anweisungen aus dem heimischen Krankenzimmer noch abzuwenden, schlugen fehl. Manche Zuschauer fühlten sich gar an das spektakuläre 4:4 im Revierderby der vergangenen Saison gegen den FC Schalke erinnert, als der BVB selbst ein 4:0 nicht nach Hause brachte. Mit dem Fehlen von Favre war der Einbruch im dramatischen Schlussakt nach Meinung von Innenverteidiger Julian Weigl jedoch nicht zu erklären: „Klar, Lucien Favre ist immer sehr akribisch und greift auch beim Spiel manchmal ein. Aber ich glaube nicht, dass wir deshalb einen Nachteil hatten.“

Neben Favre wurde auch Marco Reus schmerzlich vermisst. Ausgerechnet in der vorentscheidenden Saisonphase hat es den für seine Verletzungsanfälligkeit bekannten Dortmunder Schlüsselspieler nach einer stabilen Hinserie wieder erwischt. In zwei der vier bisherigen Rückrundenspiele war der Kapitän nicht dabei und droht wegen einer Muskelverletzung im Oberschenkel noch länger auszufallen. Zumindest sein Einsatz im Duell am Mittwoch mit Tottenham Hotspur und am kommenden Montag in Nürnberg scheint gefährdet. Beim Training am Sonntagmorgen war Reus - wie Favre - nicht dabei. Immerhin kehrte Abwehrchef Manuel Akanji nach langer Zwangspause wieder zurück.