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Bundesliga

Trends der Saison: Von erfahrenen Trainern und vollen Büros

Dienstag, 14. Mai 2019 - 15:25 Uhr

von Von Sebastian Stiekel, dpa

Kehrte noch einmal auf den Trainerstuhl auf Schalke zurück: Huub Stevens. Foto: Ina Fassbender

Hannover (dpa) - Schnellerer, schönerer oder international erfolgreicherer Fußball wurde in dieser Bundesliga-Saison nicht gespielt. Dafür hat sich bei der Rolle der Trainer, der Manager und auch beim öffentlichen Umgang mit ihnen in nur einem Jahr einiges getan.

Mit der einen oder anderen Wette hätte man in dieser Bundesliga-Saison eine Menge Geld verdienen können. Dass Thomas Doll und Huub Stevens noch einmal als Trainer zurückkommen.

Dass der deutsche Meister am letzten Spieltag noch nicht feststeht. Und dass man mit 27 Punkten zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgestiegen ist: Wer hätte das vorher gedacht?

Im Jahr nach dem frühzeitigen WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft sind die erhofften spielerischen Fortschritte in der Liga zwar ausgeblieben und ist der Rückstand auf die europäische Spitze eher noch gewachsen. Doch trotzdem gab es in dieser Saison einige bemerkenswerte Entwicklungen zu beobachten.

Erfahrung wieder gefragt

Missmutig gratulierte Thomas Doll seinem Kollegen Huub Stevens zum Sieg. Beide waren nicht zufrieden mit dem Spiel, und beide stellten beim Blick auf die Tabelle auch noch fest: Die Mannschaft, die der Friedhelm Funkel da trainiert, werden wir nicht mehr einholen können.

Diese Szene hat sich nicht im Jahr 2005 abgespielt, sondern im März 2019: nach der 0:1-Niederlage von Hannover 96 gegen Schalke 04. Doll ist in dieser Saison nach elf Jahren in die Bundesliga zurückgekehrt, der 65 Jahre alte Stevens zum ersten Mal nach einer Herz-Operation. Das bedeutet nicht, dass junge, in einem Nachwuchsleistungszentrum geprägte Trainer nicht mehr gefragt wären. Zum „Trainer des Jahres“ kürte der DFB schließlich den 36-jährigen Florian Kohfeldt von Werder Bremen. Doch allein jung zu sein, ist kein Kriterium mehr.

Die einst gefeierten Domenico Tedesco (Schalke 04) und auch Hannes Wolf (Hamburger SV) in der Zweiten Liga sind in dieser Saison daran gescheitert, eine funktionierende Lösung für eine schwierige Situation zu finden. „Erfahrung gehört für mich zu einem guten Trainer dazu“, sagte der bei Fortuna Düsseldorf so erfolgreiche Funkel in einem „NRZ“-Interview. „Erst nach sieben, acht Jahren weiß man, ob man tatsächlich ein guter Bundesliga-Trainer ist.“

Das Ende des klassischen Managers

Noch 2016 war der FC Schalke stolz darauf, mit Christian Heidel einen „starken Mann“ verpflichtet zu haben, dem er von der Transferpolitik über den Umbau des Vereinsgeländes bis hin zur öffentlichen Darstellung des Clubs alles an die Hand gab. Mittlerweile ist Heidel nicht mehr da, und die Schalker suchen nach einem neuen Sportvorstand noch: einen Sportdirektor für die Alltags- und Öffentlichkeitsarbeit. Und einen Technischen Direktor für die Kaderplanung.

Den Manager klassischer Prägung gibt es in der Bundesliga kaum noch. Fredi Bobic war bei Eintracht Frankfurt einer der ersten, der dessen Aufgaben auf viele Schultern verteilte. „Du kannst nicht alles machen. Sonst verliert man den Überblick“, sagte er der „FAZ“. „Deshalb ist es wichtig, einen Chefscout zu haben, einen Kaderplaner und einen Sportdirektor, der noch enger an der Mannschaft dran ist.“

Daran orientieren sich mittlerweile fast alle Clubs. Beim VfB Stuttgart holte der neue Sportvorstand Thomas Hitzlsperger als erstes einen neuen Sportdirektor (Sven Mislintat). Bei Borussia Dortmund gibt es neben dem Sportchef Michael Zorc seit dieser Saison auch noch den Leiter der Lizenzspielerabteilung, Sebastian Kehl.

Was sich in diesem Bereich verändert hat, weiß niemand besser als Uli Hoeneß, der vor 40 Jahren als Bayern-Manager begann. „Ich habe zwei Stunden rumtelefoniert, dann bin ich wieder nach Hause gegangen“, sagte er in einem dpa-Interview über seinen ersten Arbeitstag.

Eine Frage des Respekts

Auffällig gravierende Management-Fehler mündeten in dieser Saison in auffällig schweren Krisen. Die letzten vier Vereine der Tabelle (Nürnberg, Hannover, Stuttgart, Schalke) zahlen alle den Preis für eine verfehlte Transferpolitik - und haben sich deshalb neben ihren Trainern auch immer gleich von den Sportchefs getrennt.

Neu ist in dieser Form eine besonders schonungslose Form des öffentlichen Umgangs. Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies warf dem zurückgetretenen Heidel hinterher: „Ich würde Schalke nie im Stich lassen.“ Und in Hannover beurteilte der 96-Boss Martin Kind die Arbeit von Manager Horst Heldt mit den Worten: „Die aktuelle Mannschaft ist kaputt, schlecht zusammengestellt und gescheitert.“

Das und auch die immer wieder geäußerten Zweifel an der Eignung von Niko Kovac als Trainer des Bundesliga-Tabellenführers und Pokalfinalisten Bayern München haben in der Liga eine Debatte über Umgang und Respekt ausgelöst. „Wir müssen wieder einen ganz anderen Umgang miteinander kriegen“, forderte der Gladbacher Trainer Dieter Hecking.