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Gladbachs Schlüsselspieler Kramer im Fokus

Dienstag, 24. November 2020 - 13:17 Uhr

von Von Carsten Lappe, dpa

Christoph Kramer ist einer Führungsspieler von Borussia Mönchengladbach. Foto: Efrem Lukatsky/AP/dpa

Mönchengladbach (dpa) - Christoph Kramer ist ein Phänomen. Der Weltmeister von 2014 galt schon als Auslaufmodell. Seit Wochen ist der Routinier in Top-Form und überragt in der Champions League. Vor dem Schlüsselspiel gegen Donezk lobt der Coach seinen Leader überschwänglich. Borussia Mönchengladbach steht vor dem bislang wichtigsten Spiel der Champions-League-Saison - wie gemacht für Christoph Kramer.

Die Duelle mit Inter Mailand und Real Madrid mögen mehr Glanz versprühen und Kindheitsträume der Spieler erfüllen, die Partie am Mittwoch gegen Schachtjor Donezk (18.55 Uhr/DAZN und Sky) ist richtungsweisend. Mit einem erneuten Sieg drei Wochen nach der 6:0-Gala in der Ukraine wäre das Überwintern in Europa fast sicher und der erstmalige Einzug in die K.o.-Runde zum Greifen nah.

Vor diesem vorentscheidenden Spiel stärkt Trainer Marco Rose demonstrativ seinen Leader, auf den es ganz besonders ankommen werde. „Christoph Kramer hat in den letzten Wochen vor allem in der Champions League schon gezeigt, warum er Weltmeister geworden ist“, sagte Rose. „Wie er die Mannschaft geführt hat auf internationalem Niveau und wie er sich reingehauen hat, war schon außergewöhnlich.“

Der 29 Jahre alte Kramer galt neben den aufstrebenden Denis Zakaria (24) und Florian Neuhaus (23) schon als Auslaufmodell. Doch Rose erkannte dessen Bedeutung als Führungsspieler auch neben dem Platz. Der Vertrag mit dem Mittelfeldspieler wurde vor einem Jahr noch einmal bis 2023 verlängert - zum Glück für Borussia, bei der Kramer seit der schweren Verletzung Zakarias vor acht Monaten nicht mehr wegzudenken ist. Und das trotz der allmählichen Genesung Zakarias, der gegen Augsburg (1:1) am Samstag erstmals wieder auf dem Platz stand.

Seit Wochen ist Kramer in bestechender Form, ist mit überragenden Zweikampf- und Passwerten Anführer auf und Vorbild neben dem Platz. „Wir werden hier im Borussia-Park ein ganz anderes Donezk erleben als beim 6:0 in Kiew. Niemand sollte ohne Weiteres mit drei Punkten rechnen, das wird ein enormes Stück Arbeit“, warnte Kramer in der „Rheinischen Post“.

So etwas wie in der Europa League im Vorjahr, als dem damaligen Bundesliga-Spitzenreiter gegen Basaksehir aus der Türkei ein Unentschieden zum Weiterkommen gereicht hätte, die Borussia aber höchst unglücklich mit 1:2 verlor, soll sich in diesem Jahr angesichts der exzellenten Ausgangslage nicht wiederholen. Rose fordert in diesem Punkt eine Weiterentwicklung seines in der Königsklasse noch unbesiegten Spitzenreiters der Gruppe B.

Die Chance auf eine kontinuierliche Weiterentwicklung des Clubs in der Königsklasse ist groß. 2015 schied Gladbach nach der Vorrunde als Gruppenletzter aus, 2016 folgte Gruppenplatz drei und immerhin das Überwintern als Europa-League-Teilnehmer. Diesmal könnte es ins Champions-League-Achtelfinale gehen. „Das ist die neue Herausforderung, die jetzt ansteht. Aber wir wollen weiterkommen und haben die Qualität dazu“, befand Kramer, der am Mittwoch nach dem „Tor-Klau“ von Kiew besonders motiviert sein dürfte.

In seinem 35. Europacupspiel hatte der Weltmeister von 2014 beim 6:0 eigentlich sein erstes internationales Tor zum zwischenzeitlichen 2:0 geschossen. Der abgefälschte Schuss wurde aber als Eigentor gewertet. „Ich war so stolz, als mein Name auf der Anzeigetafel stand und so traurig als es geändert wurde“, sagte Kramer anschließend. Torschützen von vier der sechs Gladbacher Treffer in Kiew sind am Mittwoch gezwungenermaßen nicht dabei: Der Dreifach-Torschütze aus dem Hinspiel, Alassane Plea, und Ramy Bensebaini befinden sich nach positiven Corona-Tests in Quarantäne. Doch wenn Schlüsselspieler ausfallen, rückt Kramer besonders gern in den Fokus.